Krankenhausaufenthalt

Während der Schwangerschaft macht man sich bereits Gedanken, welche Klinik man für die Entbindung wählt. Worüber man sich eher weniger den Kopf zerbricht, ist die Zeit rund um die Geburt, die man auf der Wöchnerinnenstation verbringt. Wie dort die Versorgung ist, ist ein nicht zu vernachlässigender Punkt, wie ich jetzt im nachhinein weiß.

Die Erwartung an die Zeit im Krankenhaus

Ehrlichgesagt, habe ich darüber in der Zeit der Schwangerschaft gar nicht nachgedacht. Klar, meine Hebamme erzählte im Geburtsvorbereitungskurs, dass man sich keinen oder nur wenig Besuch in die Klinik einladen solle, weil man nach einer Geburt ziemlich geschafft sein wird. Auch wenn man glaubt man könne Bäume ausreißen, kommt das große ABER meist erst nach Entlassung, wenn man wieder zuhause ist. Soweit so gut dachte ich, dann kommen eben nur meine Eltern und die Mutter meines Partners, um den kleinen Schatz kennenzulernen und ansonsten gönnen wir uns als frisch gebackene kleine Familie die ein bis zwei Tage ruhe. Zuhause können uns Freunde und Verwandte dann immer noch Besuchen, es ist schließlich unser Kind, was genau wie ich den Prozess der Geburt durchmachen musste und dies ist für dieses kleine Wesen sicherlich äußerst anstrengend. Das war aber auch alles, was mir vor der Geburt zum Thema Klinikaufenthalt durch den Kopf ging. Daran rüttelte nicht mal die Kreißsaalführung etwas, auch wenn wir die Station und ein Zimmer gezeigt bekommen haben, was im Übrigen mehr als ansprechend war (Link zu Kliniksuche). Über die Betreuung und auch Versorgung von meinem Baby und mir habe ich absolut nicht nachgedacht, mein Fokus lag ausschließlich auf der Geburt.

Covid-19 und Krankenhaus

Die Coronapandemie bereitete mir schon Sorgen. Die Frage, ob der werdende Papa bei der Geburt dabei sein kann, stand ja weiter im Raum. Es bestand sowohl die Möglichkeit, dass er gar nicht dabei sein kann, als auch, dass Väter die ganze Zeit zu Besuch kommen können. Was nun wirklich sein wird, würde ich also erst erfahren, wenn wir in die Klinik fahren.

Es kam wie es kam

Als der Kleine nach dem errechneten Termin auf sich warten ließ, blieb ich ja im Grunde gelassen. Bis auf wenige Ausnahmen ging es mir gut, und ich wartete einfach jeden Tag darauf, das es nun endlich losgehen würde.

Nun war der Moment gekommen, es sollte endlich losgehen…

Am Dienstag, den 21. April 2020 legte ich mich wie immer in letzter Zeit, recht früh schlafen. Ich war einfach zu geschafft, als das ich noch länger hätte aufbleiben können. Wie immer auch etwas enttäuscht, dass die Wehen, die ich abends spürte, doch wieder nur Übungswehen waren. Um 2:20 Uhr wurde ich dann wach und merkte, dass ich tropfen verlor. Ich dachte zunächst an Urin, aber dem war nicht so. Es kam mir wie Unmengen an Flüssigkeit vor, die Schwallweise herausliefen. Es musste Fruchtwasser sein! Noch auf der Toilette sitzend, rief ich meinen Freund und sagte ihm, dass meine Fruchtblase geplatzt sein muss. Wir freuten uns, waren aber gleichzeitig auch echt aufgeregt. Wir überlegten kurz was wir nun machen, denn Wehen konnte ich noch keine spüren und wie wir im Geburtsvorbereitungskurs gelernt haben, sollten wir uns bei Wehen auf den Weg machen, die im Abstand von 4-5 Minuten kamen. Also riefen wir im Kreißsaal an, eine etwas teilnahmslose Hebamme fragte mich, wann genau der Blasensprung stattgefunden habe und sagte daraufhin, ich solle mich ganz in Ruhe fertig machen, meine Sachen packen und mich dann auf den Weg in die Klinik machen. Also riefen wir meinen Bruder an, der den Fahrdienst übernehmen wollte und baten ihn, in einer Stunde bei uns zu sein. In der Zwischenzeit tat ich das, was die Hebamme mir am Telefon sagte. Zog mich an, packte die restlichen Sachen in meine Kliniktasche und schon war auch mein Bruder vor der Tür. Wir baten ihn, noch einmal an der Tankstelle anzuhalten, um noch ein paar weitere Süßigkeiten und Softdrinks zu holen. Er lachte und meinte nur, wie entspannt wir doch sind. Das waren wir auch, denn wir haben zigmal über unsere Wunschgeburt gesprochen und waren uns in allen Punkten mehr als einig. Auf dem weiteren Weg fiel mir die Corona Sache wieder ein. Wird mein Partner direkt bei mir bleiben können? Was ist, wenn die Wehen weiter auf sich warten lassen usw. In der Klinik angekommen, mussten wir einem Security Mann mitteilen, was los war, damit wir diese betreten können. Er durfte auf jeden Fall schon mal mit mir hoch in den 12. Stock auf die Entbindungsstation fahren. Die Hebamme dort, mit der ich ja bereits telefoniert hatte wirkte auch jetzt noch teilnahmslos. Sie sagte er solle meine Tasche in die Ecke stellen und sich verabschieden. Nun gut, dann ist es eben so dachte ich mir. Als er weg war, schaute sie ob es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelt und tastete nach meinem Muttermund. Ich sagte ihr, während sie ein CTG schrieb, was meine Gynäkologin mir sagte, nämlich das mein Kleiner noch auf der Symphyse liegt. Darauf ist sie nicht weiter eingegangen und sagte nur, sie würden nun 18 Stunden ab Blasensprung abwarten und dann mit Cytotec einleiten, sofern vorher keine Wehen kommen.

Cyotec ging zu Zeiten unseres Geburtsvorbereitungskurs durch die Medien, meine Hebamme sagte aber, wir sollen uns dazu keine Gedanken machen. Denn auch wenn dieses Medikament nicht für diesen Zweck zugelassen ist, handelt es sich dabei um das zuverlässigste aller Einleitungsmedikamente. Dennoch wollte ich eigentlich im Fall der Fälle erst anderes versuchen, ehe Cytotec ins Gespräch kommt. Was in der Klinik aber anscheinend nicht gern gesehen wurde.

Mit zwei Buscopan und einer Schlaftablette wurde ich dann in einen Untersuchungsraum geschickt, wo die diensthabende Gynäkologin einen Ultraschall durchführte. Sie sagte, es sei alles bestens und ich verwies sie noch einmal auf den Hinweis meiner Frauenärztin, dass mein Kind mit dem Kopf auf der Symphyse liegt. Auch sie sagte nichts dazu, weder das es noch so ist noch das es nicht so ist. Also wurde ich auf die Station geschickt, bekam dank der Coronapandemie ein Einzelzimmer und sollte versuchen zu schlafen. Ich war allerdings so aufgeregt, dass daran nicht einmal zu denken war und das trotz der Schlaftablette. Ich rief meinen Freund an und wir sprachen über das Geschehene, waren aber noch entspannt, denn sie wissen ja schließlich was sie tun. Die Zeit verging zum Glück wie im Flug. Gegen 6:00 Uhr morgens rief ich meine Mutter an und erzählte ihr die spannenden Neuigkeiten. Sie machte mir Mut und ich hatte kein schlechtes Gefühl bei der Sache. Nach dem Frühstück kam eine Hebamme, um ein CTG zu schreiben, es waren immer noch keine Wehen zu sehen, schade. Ich sollte mich gegen 12 im Kreißsaal zum nächsten CTG melden, was ich auch machte. Auch dieses Mal, waren wieder keine Wehen zu sehen und die Hebamme sagte ich solle viel laufen, das machte ich auch. Um 14 Uhr sollte ich dann zurückkommen, in der Zwischenzeit wurde ich wirklich müde. Zurück im Kreißsaal zum CTG wurde mir zeitgleich das Antibiotikum verabreicht, was bei einem vorzeitigen Blasensprung wohl so normal ist, um Infektionen vorzubeugen. Danach kam eine Ärztin und klärte mich bzgl. ses Cytotec auf, weiter blieb mir quasi keine Wahl. Ich war alleine dort und konnte ja nun nicht einfach in eine andere Klinik wechseln. Ich fühlte mich schon unsicher, aber dachte weiter, es muss halt so sein und die wissen schon was sie tun. Nachdem ich die erste Tablette genommen habe, solle ich noch eine Stunde am CTG liegen bleiben, es tat sich weiter nichts. Ich wurde in mein Zimmer geschickt und sollte gegen 18 Uhr zurückkommen, um eine weitere Tablette zu bekommen. In der Zwischenzeit telefonierte ich viel und schnell war es dann auch 18 Uhr. Wieder eine Stunde am CTG warten und schauen ob sich Wehen zeigten. Ein klein wenig kam es in Gang, aber es war noch nicht genug. Also wurde ich wieder zurück ins Zimmer geschickt. Wenn etwas wäre, könne ich mich melden. Nun war ich nicht lange dort und telefonierte mit dem werdenden Papa, als ich schon das Telefon aus der Hand nehmen musste, um die Wehen zu Veratmen und mich am Bett festzuhalten. Ich sagte ihm, dass ich gleich wieder zurück in den Kreißsaal gehen werde, um nachsehen zu lassen und das er sich schon mal bereit machen solle, da ich glaube das er bald kommen darf und muss.

Geburt

Am Morgen nach der Geburt, der frischgebackene Papa blieb die Nacht bzw. die Stunden danach bei uns, wurden wir von einer wirklich netten Schwester aufgesucht. Sie schaute nach unserem kleinen, der sich kurz zuvor lauthals gemeldet hatte, ich aber durch den noch sehr frischen Kaiserschnitt noch nicht aufstehen konnte und sich der Papa daher erst um ihn gekümmert hat. Sie wusch mich, erklärte mir, wie das nun mit dem Wochenfluss laufen wird und zog den Blasenkatheter, der ja leider bei einem Kaiserschnitt unumgänglich ist, aber rückblickend überhaupt nicht schlimm war. Sie sagte mir, dass ich in den nächsten Stunden aufstehen solle, davor aber in jedem Fall nach einer Schwester klingeln muss, die mich dann unterstützen würde. Unser kleiner Schatz schlief und wirkte trotz der Strapazen sichtlich zufrieden. Etwa zwei Stunden später und noch bevor mein Freund wieder nach Hause fuhr, wolle ich es dann versuchen. Also riefen wir eine Schwester und eine wirklich unfreundliche Frau kam ins Zimmer und blieb in der Tür stehen. Ich versuchte hoch zu kommen, was aber aufgrund der Schmerzen echt nicht leicht war. Mein Freund hat mir geholfen und ich lief drei Schritte in die eine und drei in die andere Richtung. Danach war ich nicht nur unendlich kaputt, sondern hätte vor Schmerzen in einen Besenstiel beißen können. Die Schwester sagte daraufhin nur, ich sollte es immer und immer wieder versuchen und wenn ich Schmerzmittel haben möchte, einfach klingeln. Ich sagte ihr dann noch, dass wir Unterstützung beim Wickeln brauchen und sie wollte jemanden schicken, es kam aber keiner. Erst nachdem mein Freund dann gefahren ist, kam endlich eine andere Schwester, die ihn wickelte und ihn aus seinem Mekonium befreite. Es ist schon ein Unding, zu erwarten das ich, wo ich bis kurz vorher nicht einmal aufstehen durfte, geschweige denn einen Moment auf der Stelle stehen konnte, anzunehmen es würde sich alles von selbst erledigen. Ich dachte nur, wie soll ich das hier bloß überstehen und war nicht nur wegen der Geburt, die einerseits das schönste Erlebnis meines Lebens und zeitgleich auch das schlimmste war, was ich je mitgemacht habe, einfach nur fertig mit den Nerven. Ich konnte mich so schlecht bewegen, dass ich nicht mal klingeln konnte, um einer Schwester zu sagen das ich ein Fläschchen für mein Kind brauche. Es hat einfach so lange gedauert, bis ich endlich diesen Knopf erreichen konnte. Es tat mir für meinen kleinen so leid, man ist wirklich hilflos in solchen Momenten nach einem Kaiserschnitt und echt auf die Hilfe anderer angewiesen. So hätte ich mir das nicht in meinen schlimmsten Alpträumen vorstellt. Noch dazu vertauschten die Schwestern nicht nur einmal die Milchsorten und kamen mit der falschen Flasche. So etwas kann natürlich passieren, aber nicht gleich mehrmals. Zwischenzeitlich kam wieder eine andere Schwester, die meinte ich solle ihn nicht auf dem Rücken lagern, sondern auf der Seite, diese Aussage geht ja gegen alles, was ich bis dahin gelernt habe bzgl. des plötzlichen Kindstods. Ich gab aber einfach alles, um auf die Beine zu kommen, fragte seltenst nach Schmerzmitteln und ging echt auf dem Zahnfleisch. Ich gab alles, um auch mal über den Flur zu laufen, denn mein Plan war, das Krankenhaus mit seiner schlechten Betreuung so schnell es geht zu verlassen. Die Nacht allein mit meinem Sohn verlief eher schlecht, durch die Schmerzen und die zwei vorausgehenden Nächte, in denen ich fast nicht geschlafen habe, nagten schon sehr an mir. Irgendwann in der Nacht kam eine Schwester in mein Zimmer und fragte, ob sie ihn für ein paar Stunden mit zu sich nehmen solle, damit ich endlich ein wenig die Augen zumachen kann. Begeistert war ich nicht, denn das wollte ich so eigentlich nicht. Sie sagte aber, dass ich Kraft für mein Kind brauche und das es so ganz ohne Schlaf nichts wird. Sie hatte ja recht, also stimmte ich zu und nach vier Stunden kam sie zurück zu mir und sagte, er ließe sich absolut nicht beruhigen und ging wieder. Ich legte ihn auf meine Brust und wir beide schliefen viele Stunden so aneinander gekuschelt. Am Tag danach, kam dann und wann mal eine Schwester in mein Zimmer und mir wurde sogar gesagt, man könnte mein Kind bis ins Schwesternzimmer schreien hören. Das hat mich wirklich sehr getroffen, denn was sollte ich in der Zeit zwischen klingeln und bis die Flasche dann kommt auch anderes machen als versuchen ihn zu beruhigen, so unbeweglich wie ich war? Ich war einfach nur noch genervt von der Situation dort, klar wird es auch so gemacht, damit man schnell wieder auf die Beine kommt, aber mehr als Schmerzmittel und rumlaufen konnte ich ja nun nicht machen. Am Tag danach stand nun endlich die Entlassung an, dachte ich. Dann kam eine Schwester und die sagte mir, dass es noch nicht endgültig geklärt sei. Ich hoffte so sehr das es klappt und wir gingen erst einmal zur Untersuchung U2 des Kleinen. Der Kinderarzt war erstaunt von meinem guten Zustand nach dem Kaiserschnitt und schaute nach dem Baby. Ich sollte ihn zuvor schon bis auf die Windel ausziehen und in ein Handtuch wickeln. Ich sagte ihm, dass ich als Baby Probleme mit der Hüfte hatte und er bitte danach schauen sollte. Er sagte er sehe keine Anzeichen für irgendetwas in der Richtung und meinte unser Sohn sei ein perfektes Baby. Das hat mich natürlich total gefreut und glücklich gemacht. Also ging ich wieder zurück in mein Zimmer und wartete auf die Visite, denn nach dieser könnte ich möglicherweise nach Hause. Selbst wenn ich nicht entlassen werden würde, würde ich heute auf eigene Verantwortung gehen, soviel stand fest. Die Ärztin sah nach mir und meinte es sei okay und das sie bald den Entlass Brief verfassen würde. Ich dachte nur: endlich! Also packte ich den Rest meiner Sachen zusammen und wartete. Es dauerte noch eine Weile, aber dann durfte ich gehen. Begleitet von einer Schwesternschülerin, denn gegen deren Plan mich allein runter zu schicken, habe ich mich gewehrt. Das war auch das einzige Mal, dass ich mich beschwert habe. Zuvor habe ich nichts gesagt, da ich die Befürchtung hatte das noch schlechter behandelt zu werden. Aber jetzt, wo ich eh gehen konnte, war es mir dann auch egal. Es geht hier schließlich um meine Gesundheit und schwer tragen soll man ja nicht. Also gingen wir nach unten, ich hatte meinen kleinen im Arm und war einfach glücklich endlich den Papa sehen zu können und nach Hause zu kommen.

Man sollte sich also wirklich gut überlegen, welche Klinik man sich zur Entbindung aussucht. Natürlich spielte Corona hier auch eine große Rolle, denn wenn das nicht wäre, wäre ich ja schließlich nicht so viel allein gewesen und hätte Unterstützung durch meinen Besuch gehabt, der ja nun ausblieb. Ich finde aber, ganz gleich ob spontan oder natürlich entbunden, man ist auf die Hilfe angewiesen. Man muss sich auf diese Menschen verlassen können, denn dazu sind sie schließlich da. Ideal wäre natürlich, wenn man bereits eine Frau kennt, die in der Klinik entbunden hat, auf Erfahrungsberichte zu hören ist hier sicher nicht schlecht.

Ich hatte auch wirklich glück, dass ich am zweiten Tag nach der Kaiserschnittgeburt schon gehen konnte, ohne dies auf eigene Verantwortung zu tun. Ob es nun an Corona lag, oder weil ich wirklich alles gegeben habe um so fit wie möglich zu wirken weiß ich nicht.